Schützenfest Nordlünen-Alstedde im Jahre 1990

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Vogeltaufe: Nordlüner Schützenvogel

erhielt den Namen seines Erbauers

Auf den Namen „Friedrich 1.' tauften Vorstandsmitglieder und das Königspaar des Schützenvereins Nordlünen-Alstedde, Sieglinde I. (Rotte) und Prinzregent Hans 1. (Witt) am Montagabend, 09. Juli 1990, den Vogel für das bevorstehende Schützenfest. Am Montag, 6. August, wird das Holztier um 10 Uhr auf der Schützenwiese in Nordlünen ins Visier genommen.

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Nach 8 Wochen Arbeit hatte sein Erbauer Friedrich Bremerich den Vogel fertig. Als Dank tauften die Schützen das Prachtstück auf dessen Namen.

Das 28. Schützenfest steht im August bevor. „Nur zweimal habe ich den Vogel nicht geschnitzt", sagt Bremerich. Der Vogel besteht aus Eiche, Buche und Sperrholz. „Die Insignien -‚ Zepter, Krone und Reichsapfel - bestehen aus Eichenholz, damit sie nicht so leicht abgeschossen werden", erzählt Bremerich.

Er ist gelernter Schreiner und hat bei seinem Vater auch das Drechseln gelernt.

Vor seiner Pensionierung arbeitete er allerdings als Feuerwehrmann beim Bundeswehrbrandschutz.

Das Ziel des Schießwettbewerbs hat eine Spannweite von 1,40 Meter und ist mit brauner Farbe angestrichen, während sich die Insignien mit kräftigem Gold und Rot abheben.

Das Motiv, das er für jeden Vogel neu wählt, hat er im Altenberger Dom gefunden: Es handelt sich um einen Adler, den er auf einem Ambo (Pult) entdeckte. Da das Motiv ihm so gut gefiel, fuhr er zu dem Gottes-haus in der Nähe von Köln.

Friedrich Bremerich ist kein Mitglied im Schützenverein, doch ein Ehrenschuss ist selbstverständlich. Soviel Geduld wie beim Erbauen legt er auch beim Vogelschießen an den Tag; denn er ist vom ersten bis zum letzten Schuss dabei. „König“ bin ich auch schon bei Festen oder Ausflügen des Kirchenchors geworden", bekennt er.

Außer dem Königspaar nahmen an der Vogeltaufe teil: Der 2, Vorsitzende des Schützervereins, Heinrich Küpers, Geschäftsführer Udo Cieslukowski,

2. Schatzmeister Horst Jungwirth, sowie Presse- und Sozialwart Uwe Prahl.

„Zapfenstreich und Festumzug zogen den Norden in den Bann“

Im grün-weißen Festgewand würdigte der Lüner Norden das Schützenfest.

Zapfenstreich und Festumzug waren die rechten Appetitanreger, für das am Montag, stattfindende Königsschießen.

Grün-weiße Fähnchen in den Gärten und an den Häusern rund um die Festwiese deuteten am Samstag das Ereignis an: Drei Tage lang feiern die Grünröcke des Schützenvereins Nordlünen-Alstedde.

Das beliebte Regentenpaar, Königin Sieglinde I. (Rotte) und Prinzregent Hans I. (Witt), erlebten die letzten Stunden an der Spitze des 156jährigen Traditions-vereins.

Das Schützenfest, das am Samstag um 14.45 Uhr mit dem Antreten des Bataillons am „Haus Otto“ begann, war am Wochenende – da sind sich alle einig – die Attraktion in den nördlichen Stadtteilen.

Der erste Tag diente den Schützen traditionell als feierliche Einleitung des Festes. Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal an der Bergkampstr. machte das Bataillon mitsamt dem Königspaar Zwischenstation in der Schützenhalle an der Döttelbeckesrtraße. Um 17.00 Uhr versammelten sich die Schützen wieder zum Marsch in Richtung St. Norbert-Kirche, wo Pfarrer Heinrich Böcker aus der St.-Ludger-Gemeinde das Schützenfest mit einem feierlichen Gottesdienst offiziell eröffnete.

Die Wiese vor dem Hallenbad war anschließend Schauplatz des „Großen Zapfen streiches'. Traditionell wird dieses militärische Abendsignal dem Beginn der Feierlichkeiten gewidmet. Zugegen waren neben dem Schirmherrn Stadtdirektor Dr. Rudolf Salmen samt Gattin, das Königspaar sowie der gesamte Vorstand mit Damen und der Hofstaat der Majestäten.

Angetreten waren außerdem das Trommler- und Pfeifferkorps „Alte Kamera-den" unter der Leitung von Willi Herden, sowie das Blasorchester Lünen unter der Leitung von Rolf Schwidder.

Nachdem das gesamte Bataillon zur Stelle war, schloss das Blasorchester mit dem „Großen Zapfenstreich" und dem „Deutschlandlied".

An diesem würdigen Akt nahmen auch wieder zahlreiche Bürgerinnen und

Bürger teil.

Anschließend marschierten alle Teilnehmer zum Festzelt am Gymnasium. Der gemütliche teil des Festes wurde am Abend im Festzelt hinter dem Hallenbad eröffnet. Rings um das Zelt waren Grill-, Getränke- und Vergnügungsstände aufgebaut, deren Angebote reißenden Absatz fanden. Erster Vorsitzender Siegfried Müller begrüßte besonders den Schirmherrn, Dr. Rudolf Salmen mit Gattin, den Vorstand es Knappenvereins „Glück Auf“ mit dem Vorsitzenden Rudolf Fickert, den CDU-Fraktionsvorsitzenden, Friedhelm Schröter, Ehrenoberst Paul Wahlers, der eigens aus dem Sauerland angereist war.

Müller verwies auf die lange Schützentradition und auf das gute Verhältnis zwischen Bevölkerung und Schützen. Stadtdirektor Salmen freute sich, zum ersten Mal Schirmherr eines Schützenfestes zu sein. Als solcher sei er verantwortlich für das Wetter. „Ich habe es für das erste Mal doch wohl zu gut gemeint“, so Salmen. ER spielte dabei auf die tropischen Temperatuten an, die nicht nur den Schützen zu schaffen machten, sondern auch wohl die Bürger davon abhielten, in Scharen in das Zelt zu kommen. Für ihn sei die Tatsache wichtig, dass der Schützenverein Nordlünen-Alstedde der einzige Verein im Ortsteil sei, der noch ein großes Volksfest durchführe. „Es ist dem Verein und der Bevölkerung zu gönnen, dass sie gemeinsam ein paar schöne Stunden verbringen“, so die Schlussworte von Salmen.

Anschließend wurde das amtierende Königspaar, Sieglinde I. und Hans I. verabschiedet. Sieglinde I. richtete ihre Dankesworte besonders an alle Schützenschwestern und -brüder, die sie immer unterstützt hatten. „Wir verabschieden uns nur als Königspaar und nicht als Schützen. Ich hoffe, dass das neue Königspaar die Unterstützung findet, die wir bekommen haben“, so der persönliche Wunsch der Königin.

Sehr zufrieden zeigte sich Königsadjutant Thomas Gössing mit der ersten Königin in der 150jährigen Vereinsgeschichte des Vereins. Sie habe sich immer den Belangen des Vereins untergeordnet und habe sich überhaupt nicht gewundert, als ihr Prinzregent Hans I. (Witt) eines Abends bei ihr erschien, um mit das Tanzen zu üben.

„Meier & Co brachte Festzelt zum Kochen“

Einen Höhepunkt, wie ihn ein Schützenzelt selten gesehen hat, bot die Oldie-Band Meier & Co am Sonntagabend. Kein Wunder, dass die Publikums-magneten mit dem „Stoff“, der die Herzen 30-bis 50jähriger höher schlagen lässt, wieder rasch das ganze Zelt „zum Kochen brachte“.

Kein Bein stand artig unterm Tisch, keine Hand, die sich nicht zum Mitklatschen rührte, kurz: Meier & Co – „erstmals seit einem Jahr wieder auf Lüner Boden“, wie Franz-Josef Meier, Motor der der wilden 60-er versicherte – war wieder „spitze „in den Augen der Fans. Allerdings: Kaum eine Uniform war an diesem Abend zu sehen. Auch Regentin Sieglinde I. und Prinzregent Hans I. kamen ganz „zivil“. Und diejenigen, die das Programm vorab nicht sorgfältig studiert hatten und einen besinnlichen Abend im traditionellen Stil erwartet hatten, zeigten sich zunächst enttäuscht. Jedoch: Der Erfolg (1000 verkaufte Eintrittskarten und im Zelt oft drangvolle Enge) sprechen dafür, dass bei Schützenfesten für jeden etwas geboten werden muss. Schade nur, dass sich viele Anwohner selbst aus der sehr entfernten „Nachbarschaft“ durch das einmalige Ereignis gestört fühlten und es vereinzelt auch Anzeigen wegen Ruhestörung gab.

Als die Stimmung den Höhepunkt erreichte, war es dann ja auch bereits Mitternacht.

Die angenehmen Temperaturen taten ein übriges, um die Nacht vor dem mit Spannung erwarteten Königsschießen zu einem gelungenen Ereignis werden zu lassen. Wem es im Zelt zu warm wurde, der“ schwofte“ kurzerhand draußen weiter, die hervorragende Musikanlage ließ auch dort jeden Ton der Meiers „glockenrein“ ertönen.

Auch der Schirmherr dieses größten Altlüner Festes im Jahr 1990, Stadtdirektor Dr. Rudolf Salmen, ließ es sich nicht nehmen, an allen drei Tagen beim Altlüner Schützenfest dabei zu sein.

„Großer Umzug ein Höhepunkt:

Hunderte kamen nach Altlünen“

Hunderte von Schaulustigen säumten die festlich geschmückten Straßen, als am Sonntagnachmittag der Festumzug des Volks- und Schützenfestes des Schützenvereins Nordlünen-Alstedde durch den Ortsteil zog. Der vorläufige Höhepunkt vor dem Königsschießen am Montag sah sämtliche benachbarte Schützenvereine mit ihren Königspaaren, sowie Abordnungen von ansässigen Vereinen, die sich zu einem langen Zug formiert hatten. Die Majestäten winkten nicht nur huldvoll von ihren Autos herunter, sondern bedachten nach Karnevalsart die Kinder und Erwachsenen links und rechts mit Bonbons. Die Musikkorps der einzelnen Schützenvereine gaben dabei musikalisch den richtigen Ton an.

„Der 397. Schuss saß: Bernhard Jäger ist neuer König „

Der Schützenvogel Freidrich I. ist tot, es lebe der neue Schützenkönig des Schützenvereins Nordlünen-Alkstedde von 1834 e.V..

Seinem Namen machte Bernhard Jäger alle Ehre. Um 14.22 Uhr versetzte er mit dem 397. Schuss dem Holzvogel einen gezielten „Blattschuss“.

Jubel brannte auf, als der just beim Obersttag zum Major beförderte Bernhard Jäger den gelungenen Schuss abgab.

Bernhard III. ist somit der neue Schützenkönig des Schützenvereins Nordlünen-Alstedde. Zur Königin erkor er sich seine Frau Brigitte, die damit in der 154jährigen Geschichte des Traditionsvereins die dritte Regentin dieses Namens ist.

Der Wettergott, der es an den vorausgegangenen beiden Festtagen mit Rekordtemperaturen schon fast zu gut mit den Schützen gemeint hatte, machte dem geplanten Ablauf beim Vogelschießen einen Strich durch die Rechnung.

Bereits in der Mittagspause zogen bedrohlich Wolken auf und gegen 13 Uhr goss es dann in Strömen. Die Verantwortlichen überlegten schon, ob sie nicht die Vogelstange umsetzen sollten, so dass die Aspiranten um die Königswürde gut geschützt vom Zelt aus auf den Vogel hätten zielen können.

Doch gegen 14.00 Uhr hatte der Wettergott ein Einsehen und das Schießen konnte, - nun mit schärferer Munition-, fortgesetzt werden.

Gleich die ersten drei Schüsse saßen so gut, dass der Vogel kaum noch als solcher zu erkennen war.

Bei den sechs Bewerbern um die Königswürde handelte es sich neben Bernhard Jäger um Udo Cieslukowski (I. Komp.), Werner Ciesla, (I. Komp.), Bruno Lange (III. Komp.), Bernhard Möllmann, (II. Komp.), und Horst Wöstmann (III. Komp.).

22 Minuten nach 14.00 Uhr konnten schließlich die Schützen ihren neuen König, der der I. Kompanie angehört, hochleben lassen. Vom Bataillonskommandeur Werner Anderson wurde der 39jährige kaufmännische Angestellte umgehend zum Oberst befördert.

Bevor das Vogelschießen in die heiße Phase ging, hatten sich schon andere Schützen die Insignien als Andenken an das diesjährige Fest gesichert.

So hatte Harald Grube bereits mit dem 9. Schuss die Krone erwischt. Reinhold Fye holte das Zepter mit dem 25. Schuss und bereits zwei Treffer später konnte Harald Lux den Apfel für sich beanspruchen.

Dann dauerte es zunächst ein Weilchen, bis Werner Broer mit dem 214. Schuss den Vogel auf der rechten Seite „flügellahm“ machte. Den linken Flügel sicherte sich dann Dieter Kortländer mit dem 274. Schuss.

Die Ehrenschüsse waren zuvor von der zu jenem Zeitpunkt noch amtierenden Regentin Sieglinde (I) Rotte, ihrem Prinzgemahl Hans (I) Witt, dem 1. Vorsit-zenden Siegfried Müller, dem Ehrenpräsidenten Paul Wahlers, dem Ehrenoberst Paul Böcker, dem Polizeikommissar Werner, sowie Oberst Werner Anderson abgegeben worden.

Die offizielle Krönung des neuen Königspaares, das die Schützen in Nordlünen und Alstedde nun die nächsten zwei Jahren regieren wird, fand abends um 18.30 Uhr statt.

Das neue Königspaar wurde durch den Stadtdirektor Dr. Salmen gekrönt.

Das Blasorchester Lünen und das Trommler- und Pfeifferkorps „Alte Kameraden“ umrahmten diesen Akt mit feierlicher Musik.

Ein bisschen Unmut unter einigen Besuchern kam allerdings mit der Ansparache des 1. Vorsitzenden auf. Die Aussage, dass die Welt der Schützen durch die Inthronisierung eines männlichen Königs nun wieder in Ordnung sei, stieß nicht überall auf Zustimmung. Einige Pfiffe wurden laut.

Die Verstimmung war allerdings schnell vergessen, als am Abend im Festzelt die Band „Los Torros“ zum Festball aufspielte.

Als der 1. Vorsitzende Siegfried Müller dann das ehemalige Königspaar, Sieglinde (I) und Hans(I) verabschiedete, erhielt die sichtlich gerührte Sieglinde (I) langanhaltende, stehende Ovationen.

So klang ein erfolgreiches Schützenfest aus, das die Besucherscharen wieder einmal wie ein Magnet angezogen hatte.

Horrido

Ingo Schinck

(1. Geschäftsführer)