„Schützenfest 1986“

„Großer Zapfenstreich war der Höhepunkt zum Schützenfest-Auftakt“

„Kaiserwetter“ sowie die Premiere des neu aufgeschütteten Festplatzes hinter dem Hallenbad Altlünen waren Garanten für einen gelungenen Auftakt des dreitägigen Schützen- und Volksfestes des Schützenvereins Nordlünen-Alstedde von 1834 e.V..

Wegen der vorherrschenden Hitze gab es nach dem Abholen des amtierenden Königspaares Heinrich V. und Anni II Frye am Samstagnachmittag Marscherleichterung und die Schützen zogen – entledigt von den Schützenröcken – zum Festgottesdienst in die St. Norbert-Kirche. „Jetzt können wir unsere Jungs bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko verstehen, die Hitzeschlachten zu bestehen haben“, meinte 1. Vorsitzende, August Stallmann.

Ein „herzliches Willkommen“ auf großen Transparenten an der Laakstr. wird jedem geheißen, der zum Schützenfest kommt. Den Auftakt bildete die Kranzniederlegung am Ehrenmal an der Bergkampstr. zum Gedenken an die verstorbenen und gefallenen Schützenkameraden.

Nach dem Umtrunk beim amtierenden Königspaar und dem Festgottesdienst ging es mit klingendem Spiel sowie fahnen und Standarten zur ehemaligen Verwaltungsnebenstelle an der Schulstraße, wo die Grünröcke aus den vier Kompanien zum „Großen Zapfenstreich“ antraten.

Wehrleute des Löschzuges Nordlünen-Alstedde hielten mit brennenden Fackeln die Ehrenwache. Das Trommler- und Pfeiferkorps „Alte Kameraden“ mit seinem Tambourmajor Willi Herden und das Blasorchester Lünen mit seinem Dirigenten und Solisten Schwidder intonierten den Zapfenstreich, der vor einer großen Zuschauerkulisse musikalisch geboten wurde.

Erstmalig verlegten die Nordlüner Schützen diese Zeremonie nach draußen.

Nach dem Einzug des Königspaares und Hofstaates im Festzelt (um bei den Hitzegraden nicht Treibhaus zu sagen) führte 1. Vorsitzender August Stallmann durch den offiziellen Teil des Abends, der im Zeichen von zahlreichen Ehrungen stand.

Als Ehrengäste wurden u.a. stellvertretender Bürgermeister Alfred Meermann als Schirmherr, Bataillonspfarrer Schwalvenberg, sowie Kreisvorsitzender Herbert Vodisek vom Schützenkreis Lünen begrüßt.

Für seine würdige Regentschaft erhielten Heinrich V., sowie sein Adjutant Heinz Möllmann einen Verdienstorden verliehen. Außerdem überreichte 1. Vorsitzender Stallmann der Majestät einen Hirschfänger, während seine Mitregentin Anni II ein Präsent und Blumengebinde erhielt.

Den Königsorden verlieh Heinrich V. seinen Söhnen Thomas und Reinhard, die ihm, „das Regieren in den vergangenen zwei Jahren sehr erleichtert haben“.

Für 60jährige Treue zum „grünen Rock“ wurden in Abwesenheit Theo Küter (Senior) 2. Kompanie und Ewald Utendorf 4. Kompanie geehrt.

Für 50jährige Vereinstreue wurde der 76jährige Herrmann Kirchhhoff (2. Kompanie) und damit ältester Schützenkönig (seine Regentschaft war von 1955 bis 1957) ausgezeichnet.

Das goldene Schützenjubiläum erreicht auch Wilhelm Kirchhoff (1. Kompanie).

Nachträglich ausgezeichnet wurden mit der verdienst- bzw. Ehrennadel des Westfälischen Schützenbundes Heinz Millbrath, Karl-Heinz Röll, Karl Wittken und Bruno Schikowski.

Da zum Schützenfest auch „König Fußball“ regiert, füllte sich die große Festhalle erst nach der Fernsehübertragung des WM-Spieles Frankreich/Belgien.

Die Show- und Dance-Band „Los Torros“ spielte zum Tanz und zur Unterhaltung auf.

Petrus bescherte zu Festzug des ‚Königs’ echtes ‚Kaiserwetter’

Der zweite Tag des Schützenfestes wurde am Sonntag mit einem Frühkonzert und einem kräftigen Frühschoppen eingeleitet.

Ab 15 Uhr fand der Empfang der Gastvereine statt. Der Höhepunkt dieses zweiten Festtages begann mit dem großen bunten Festzug quer durch Nordlünen unter Beteiligung aller Gastvereine, sowie der Spiel- und Fanfarenzüge mit dem anschließenden Vorbeimarsch am Königspaar mit Hofstaat am „Königsthron“ an der Ecke Laak-/Rudolph-Nagell-Straße.

Dem Festzug folgte die Begrüßung der Ehrengäste, Gastvereine, Gratulationen, sowie ein gemütlicher Heimatabend.

Petrus scheint ein Freund der Schützen von Nordlünen-Alstedde zu sein. Über das Wetter zu ihrem 42. Fest seit 1834 konnten sich die Grünröcke weiß Gott nicht beklagen. Dafür war König Fußball“ ihnen nicht so gut gesonnen. Ausgerechnet zum Heimatabend schickte er „seine Ballkünstler“ aus Argentinien und Deutschland zum großen WM-Finale auf den Rasen des Aztekenstadions in Mexiko-City.

Die Schützenbrüder trugen es mit Fassung und versuchten das Beste aus der Situation zu machen.

Drei Fernseher wurden aufgestellt, so dass die Fußballfans auch im Schützenzelt auf ihre Kosten kamen.

Für alle Fußballfans hier noch einmal der Verlauf des Endspiel:

29. Juni 1986

Mexiko-Stadt

Flag of Argentina.svgArgentinien


Flag of Germany.svgDeutschland

3:2 (1:0)

Tore:

* 1:0 Brown (23. Min.)
* 2:0 Valdano (56. Min.)
* 2:1 Rummenigge (74. Min.)
* 2:2 Völler (82. Min.)
* 3:2 Burruchaga (85. Min.)


Zuschauer: 117.000

Aufstellungen:

* Flag of Argentina.svg : Pumpido – Brown – Cuciuffo, Ruggeri , Olarticoechea – Giusti, Burruchaga (ab 89. Trobbiani), Batista, Maradona, Enrique – Valdano
* Flag of Germany.svg: Schumacher – Jakobs – Berthold, K.-H.Förster, Briegel – Eder, Matthäus, Magath (ab 62. D.Hoeneß), Brehme – K.-H.Rummenigge, K.Allofs (ab 46. Völler)

Schiedsrichter: Arppi Filho (Brasilien)

Das Finale ging als eines der denkwürdigsten - wenn auch nicht hochklassigsten - in die Fußballgeschichte ein. Argentinien war klarer Favorit und hatte sicherlich auch etwas mehr vom Spiel, die ganz großen Torchancen blieben aber auf beiden Seiten aus, was sicherlich auch daran lag, dass Lothar Matthäus seinen Gegenspieler Diego Maradona überwiegend im Griff hatte. Die Argentinier gingen Mitte der ersten Hälfte durch einen Freistoß in Führung, nachdem der deutsche Torwart Schumacher - bis dahin der Garant für den deutschen Finaleinzug - den in den Strafraum geflankten Ball schlicht unterlief, sodass Libero Brown ins leere Tor köpfen konnte. Das 2:0 nach knapp einer Stunde schien die Entscheidung zu bedeuten, aber wie schon gegen England zogen sich die Argentinier jetzt vollständig zurück. Deutschland hatte nun mehr Spielanteile, ohne allerdings große Chancen herausspielen zu können. Nur bei Standards wurde es gefährlich, zwei Ecken, getreten von Andreas Brehme von links, führten zu Toren und dem nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich acht Minuten vor dem Ende. In ihrer Euphorie entblößten die deutschen Spieler jedoch ihre Abwehr komplett, um die Entscheidung noch vor der Verlängerung zu erzielen, und liefen knapp drei Minuten nach dem Ausgleich in einen Konter der Argentinier - Pass Maradona, Solo von Burruchaga - und es hieß 3:2 für die Südamerikaner.

„Die Vierte Kompanie des Altlüner Vereins stellt nach

fünfzehnjähriger Pause wieder den neuen Regenten“

* Heinrich Küppers ist neuer König –

Der neue König des traditionsreichen Schützenvereins Nordlünen Alstedde von 1834 heißt Heinrich Küppers. Mit dem 386. Schuss holte er um 13.55 Uhr den Vogel herunter. Zu seiner Mitregentin wählte er Doris I. (Grube). Die vierte Kompanie war die erste, die mit einem dreifachen „Horrido“ und „Hussassassa“ gratulierte.

Bereits um 10.55 Uhr hatte Küppers die Krone heruntergeschossen. Er gehört der 4. Kompanie seit 1961 an. Acht Jahre (bis 1984) leitete er die Kompanie als Hauptmann. Der neue König ist seit über 20 Jahren Polier bei der Bauunternehmung Kesting in Brambauer.

Schon 1969 war Küppers hautnah an der Vergabe der Königswürde beteiligt, doch musste er sich Helmut I. (Kroninger) geschlagen geben, der das Amt des Schützenkönigs bis 1971 innehatte. Küppers hatte in diesem Wettkampf den vorletzten Schuss abgefeuert.

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich König werde, doch ich habe es gewollt“, sagte der neue König, der nach der Feuer- und Mittagspause mit dem erweiterten Vorstand des Schützenvereins in die Endphase des Schießens ging. Vor ca. 500 Gästen und Schützen nahmen zuletzt nur noch Werner Ciesla (1. Kompanie), Manfred Kroes (2. Kompanie) und Thomas Gössing (3. Kompanie) das Ziel ins Auge.

Bei strahlend blauem Himmel lieferten sich die Favoriten eine spannende letzte Runde. Auch August Stallmann, 1. Vorsitzender des Altlüner Vereins, bezeichnete das Schießen als einen „besonders spannenden und fairen Wettkampf“. In den Zuschauerreihen war die Aufmerksamkeit und Unruhe groß. Immer wider ging ein Raunen durch die Menge und hörte man Sätze wie „da fangen ja die Beine an zu zittern“, bis schließlich der klärende Schuss fiel.

Noch kurz vorher hatte Thomas Gössing Spannung in die Schlussrunde gebracht: Bei seinem Schuss drehte sich die Schraube – die Schützengäste hielten den Atem an – der Vogel blieb auf der Stange.

Professionell kündigte Peter Preuschoff die Schützen an und begrüßte die Ehrengäste, die gleich zum Ehrenschuss gebeten wurden.

Unter ihnen waren die Sparkassendirektoren Klaus Frommberger und Karl-Heinz Seidel, Schirmherr stellvertretender Bürgermeister Alfred Meermann, Bataillonspfarrer Schwalvenberger, Poahlbörger Heinz Born, Günter Tilgener (SPD), Dieter Möller (CDU), Herbert Stachowitz, Vorsitzender des Schützenvereins Wethmar und Jörg-Peter Behm, König des Nachbarschützenvereins, Herbert Vodisek, Vorsitzender des Schützenkreises Lünen; der der Schützenverein Lünen-Süd war mit Rino Ventura vertreten, der Cappenberger Schützenverein mit Vorsitzendem Josef Schild, der Schützenverein Brambauer mit Präsident Hans Simaitis und Oberst Klaus Stallmann sowie König Josef (Abraham).

Um 10.23 Uhr hatte EX-König Heinrich V. (Frye) das Vogelschießen auf der Wiese an der Rudolf-Nagell-Straße bei strahlendem Sonnenschein eröffnet.

Harald Grube (4. Kompanie) holte mit dem 33. Schuss das Zepter; Bernhard Strock (2. Kompanie) sicherte sich mit dem 50. Schuss den Apfel, Dietmar Broer (2. Kompanie) den linken und reinhrad Frye (1. Kompanie) den rechten Flügel).

„Die Zuschauer beobachteten den Wettkampf unter Sonnenschirmen“

* Ein wahres Volksfest auf der Schützenwiese –

Es war ein Tag, den die Schützen in vollen Zügen genießen konnten: Die einzelnen Kompanien hatten gemeinsam auf der Wiese gefrühstückt, wo auch der Wettkampf um den neuen Regenten mit viel Spannung ausgetragen wurde. Während in den Vormittagsstunden noch die Schützen die Überzahl ausmachten, näherten sich um die Mittagszeit immer mehr Gäste dem Schießstand. Bei der starken Hitze hatten sich einige einen Sonnenschirm mitgebracht und auch für die Aktiven gab es Erleichterung.: Sie verzichteten auf ihre Jacken und auch auf den Hut. Die übrigen Zuschauer drängten sich unter die Bäume oder wo sonst ein schattiges Plätzchen zu finden war.

Auch an der „Quelle“ (Hopfen und Malz, Gott erhalt’s) konnte man es gut aushalten.

Gegen 12.00 Uhr wurde Feuerpause befohlen, ein schwerer Traktor hatte die Gulaschkanone herein gezogen und es gab eine Stärkung mit Erbsensuppe, die für den Endkampf rüstete.

Als man in der ferne Salutschüsse hören konnte, wussten auch diejenigen, die nicht auf der Wiese waren, dass der neue König, Heinrich Küppers, um 13.55 Uhr feststand. Nach der Gratulationscour nahm er die Parade ab.

Währen sich die Schützenwiese allmählich leerte, amüsierten sich die Kinder vor allem Autoscooter, beim Bingo und an der Schießbude.

Auch im Zelt sammelten sich die ersten Gäste.

Um 18.15 Uhr hieß es für die 4 Kompanien: Antreten vor dem „Haus Bössing“. Angeführt vom alten und neuen König mit ihrem Hofstaat und unter den Klängen der „Alten Kameraden“ und des „Lüner Bläsercorps“ marschierten die vier Kompanien zum Krönungswagen an der Ecke Laakstr./Nagellstr., wo Königsadjutant Heinz Möllmann die Kette vom alten König Heinrich V. (Frye) übernahm und sie dem neuen Regenten, Heinrich VI. (Küppers), als Zeichen seiner Würde umhängte. Auch das Diadem der alten Königin, Anni II. (Frye) ging an Doris I. (Grube) über.

Den Hofstaat bilden: Rudi und Inge Spee, Ewald und Maria Bergmann,

Willi und Gisela Hauschopp, Heinz-Jürgen und Helga Kroninger, Harald Grube und Elisabeth Küppers.

Das 18. Schützenfest nach der Neugründung des Vereins im Jahre 1953 klang mit dem Festball aus. Zur Unterhaltung spielte die Show- und Dance-Band „Los Torros“ auf.

Schützenfest 1986 (Festfolge)

Samstag, den 28. Juni 1986

15.00 Uhr Antreten des Btl. vor der Drogerie Pfennig in Alstedde

zur Abholung des Königspaares

17.45 Uhr Festgottesdienst in der Kirche St. Norbert, Nordlünen

19.00 Uhr Großer Zapfenstreich vor dem ehemaligen Amtshaus, Schulstraße

Musik: Blasorchester Lünen

Trommler- und Pfeifer-Korps „Alte Kameraden"

20.00 Uhr Eröffnung des Festes durch den 1. Vorsitzenden Schützenkommers

Zum Tanz spielt die Show- und Dance-Band „LOS TOROS"

Sonntag, den 29. Juni 1986

10.30 Uhr Frühschoppen im Festzelt

15.00 Uhr Empfang der Gastvereine

15.30 Uhr Festzug mit Vorbeimarsch an den Königspaaren

an der Ecke Laak-/R.-Nagellstraße

20.00 Uhr Heimatabend mit der Dortmunder-Actien-Brauerei und örtlichen Vereinen.

Es spielt die BIG-BAND des Landesmusikkorps V.D.S., Marl

Montag, den 30. Juni 1986

09.30 Uhr Antreten des Btl. am Festzeit und Marsch zur Vogelwiese

10.00 Uhr Beginn des VOGELSCHIESSENS

Mittags: Stärkung aus der Gulaschkanone für Jedermann

18.15 Uhr Abholung des neuen Königspaares am „Haus Wieneke"

18.30 Uhr Krönung und Vorbeimarsch (R.-Nagellstr./Ecke Laakstraße)

20.00 Uhr FESTBALL

Zur Unterhaltung und zum Tanz spielt die

Show- und Dance-Band „LOS TOROS"

Ausklang???

Eintrittspreise: Am Samstag- und Montagabend DM 6,00

Am Sonntag-, Heimatabend DM 3,00

Wenn Sie Lust am Schießsport oder (und) an Geselligkeit haben, dann treten Sie unserem Verein bei. Sie finden beides bei uns in den einzelnen Kompanien und im Gesamtverein.

Horrido

Ingo Schinck

(1. Geschäftsführer)