Schützenfest 1955

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Unser erstes Schützenfest 1955
in der Zeit vom 25. – 27. Juni 1955

Unser erstes Schützenfest nach der Wiederbegründung des Vereins im Jahre 1953 wurde in den Tagen vom 25. - 27. J u n i 1955 gefeiert. Ein 1500 qm großes Zelt und die neu renovierten Räume unseres Festwirtes, Generalquartiermeister Osthues, sowie viele Stände sorgten für Gastlichkeit.

Reicher Grün - und Flaggenschmuck, Ehrenbögen und Willkommensschilder waren ein Zeugnis vorbildlicher Gemeinsamkeit innerhalb Nordlünen - Alstedde.

Am Samstag, dem 25. 6. 1954,16,00 Uhr, begannen die Feierlichkeiten mit einer Ehrung der Toten in den beiden Weltkriegen. Der anschließende Kameradschaftsabend mit Jubilarehrung verlief bereits in herzlichster und bester Stimmung. Zu dem großen Kameradschaftsabend im Festzelt hatten sich die Vertreter der Behörden, der Geistlichkeit eingefunden, unter ihnen Pfarrer Hennewig, Amtmann Hiede, Bürgermeister Beckmann und der stellvertretende Bürgermeister Witte. Ebenfalls war Seine Majestät Heinrich I. vom Nachbarverein Wethmar erschienen. Hauptlehrer Siegeroth sprach die Begrüßungsworte. Er sagte, dass Sitte, Moral und Tradition aufrecht erhalten werden müssen. " Der Schütze soll Beschützer sein."
Nur wer sich diesen Gedanken zu eigen mache, dürfe einen Schützenrock tragen. Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte des Vereins, bekamen Bernhard Röllmann und Oberst Heinrich Hüser und Bürgermeister
Beckmann Ehrenmedaillen verliehen.
Unter dem Jubel der Schützen und aller Festteilnehmer wurde Pfarrer Hennewig zum Divisionspfarrer ernannt. Der M.G.V. "Heiderose" und der Männergesangverein Nordlünen halfen mit, das Programm zu gestalten.
Der Höhepunkt des ersten Abends bildete der "Große Zapfenstreich", gespielt von dem Musikkorps der städtischen Feuerwehr Münster und dem Trommlerkorps der Kolpingsfamilie Lünen-Alstadt.
Der Spielmannszug des Knappenvereins Alstedde war ebenfalls als Trommlerkorps verpflichtet worden und übernahm das "W e c k e n" der Schützen am Sonntagmorgen.

Sonntag, den 26. 6. 55 trat das Bataillon zunächst zum gemeinschaftlichen Gottesdienst an. Anschließend Festzug durch die Kappenberger-Heide mit Erfrischung bei Hauptmann Rütershoff. Ab 11.00 Uhr Platzkonzert und Frühstück.
Um 12.00 Uhr war die große Wachtparade. 14.30 Uhr Empfang der Nachbarvereine, die in großer Anzahl erschienen waren. Um 15.00 Uhr begann der Festzug durch die Bauernschaft. Der Festzug hatte die gesamte Bevölkerung auf die Beine gebracht. Besondere Anziehungskraft hatten die beiden "Alten Husaren" (Ernst Schulz und Theodor Otto), die trotz ihres hohen Alters von über 70 Jahren noch einmal, hoch zu Ross, dabei sein wollten, sowie die Südwester und der Reiterzug in ihren schmucken Traditionsuniformen.

Nach Beendigung des Festzuges wurde in der kurzen Straße (evgl. Schule) der Vorbeimarsch durch das alte Königspaar abgenommen. Anschließend war der große Festball, der auf Wunsch aller Festteilnehmer ebenfalls wieder mit dem "Großen Zapfenstreich" seinen Abschluss fand.

Am Montagmorgen fand auf der Festwiese das Schießen um die Königswürde statt. Eine große Zuschauermenge hatte sich eingefunden. Major Middendorf gab in einer Ansprache vor Beginn des Schießens die letzten Richtlinien für die Durchführung des Königsschießens.

Mit den Worten: "Nu haltet man feste drauf" gab er den ersten Schuss frei. Den ersten Schuss tat unser Oberst Heinrich Hüser, der trotz seines hohen Alters ein
scharfes Auge hat.

Er schoß dem Adler das Zepter aus den Klauen und wurde damit Zepterkönig.

Josef Hüser holte durch einen wohlgezielten Schuss den Apfel herunter.

Mit 2 Meisterschüssen schoss Theodor Küter die Krone ab und wurde zum Kronprinzen erklärt.

Die Insignien waren herunter. Jetzt ging es um das Ganze. Offiziere und Schützen traten an den Stand und rupften den Vogel recht gut. Er hatte bereits einen schweren Todeskampf zu bestehen. Der Stabsarzt konnte es mit seinem Gewissen und seinen ärztlichen Pflichten nicht verantworten, den Vogel noch länger leiden zu lassen. Aus diesem Grunde wurde dem armen Tier eine Spritze verpasst. Hiernach wurden das Tier und auch die Schützen sehr ruhig.
Dann drückte man dem Hauptmann der 2. Kompagnie, Hermann Kirchhoff die Doppelflinte in die Hand. Zwei Schuss; An beiden Seiten des Vogels flogen Splitter ab, beim 3. Schuss flog der Schwanz in hohem Bogen ins Gras. Der vierte Schuss räumte die Stange leer. Unser Hermann war ganz verdutzt, lächelte verlegen und fragte: " Ich bin K ö n i g ?"

Tusch der Kapelle - die Schützen schwenkten die Hüte, riefen Horrido, hoben den neuen König auf die Schultern und trugen ihn durch die Zuschauer, die begeistert in die Glückwunschrufe einstimmten.
Als erster sprach der alte König, Bernhard Röllmann, seine Glückwünsche aus; bewegt und mit tiefsinnigen und bedeutungsvollen Worten bat er seinen Neffen, die alte Tradition zu hegen und zu pflegen und der Schützensache ergeben und treu zu dienen.
Dann nahm der neue König H e r m a n n III. die Glückwünsche der anderen Gratulanten entgegen, unter ihnen Bürgermeister Beckmann, Bürgermeister Walterbusch, Exkönig Louis I. und Schützenoberst Willi Bergmann von Lünen.
Schnell hatten die Schützen Aufstellung genommen und marschierten mit ihrem neuen König in der Mitte zum Festzeit.

Hermann, das ist der Richtige, war die Meinung aller Altlüner über die neue Majestät. Erst am Nachmittag wurde bekannt, dass Hermann III. Ruth Plagge von der Alstedderstraße als Königin gewählt hatte.

Am Nachmittag wurde das Königspaar vor der evangelischen Schule vom Bürgermeister Beckmann mit den königlichen Insignien geschmückt. Von allen Schützen und der Bevölkerung wurde das neue Königspaar herzlich und freudig begrüßt.
Nach dem Vorbeimarsch fand im Festzelt der große Abschlussball statt.

Unser Fest verlief an allen 3 Tagen in einer Harmonie und Gemütlichkeit, wie es kaum besser sein konnte. Von allen Seiten wurde uns dieses bestätigt, sei es aus der Bevölkerung oder von unseren Brudervereinen.

Den Nachbarvereinen, Lünen 1332, Wethmar, Bork und Cappenberg, sei für das zahlreiche Erscheinen und damit die freundliche Unterstützung an dieser Stelle nochmals gedankt.

Nach diesem schönen Verlauf des Festes glätteten sich die zu Anfang des Berichtes erwähnten Sorgenfalten mächtig. Die kleineren Unstimmigkeiten die noch bestanden, konnten in der Vorstandssitzung vom 14. 9. 55, wie in dem Protokoll über diese Versammlung bereits erwähnt, ebenfalls bereinigt werden.

Wenn heute eine weitere Generalversammlung abgehalten wird und auch hier wie immer, viele Fragen und Wünsche offen stehen, ja auch Mängel vorgetragen werden, so wollen wir in Anbetracht des so schön verlaufenen Festes, zwar in eine sehr offene, aber noch sachlichere und objektivere Aussprache hineingehen.

Erwähnen möchte ich noch den Batl.-Ausmarsch, der einen wunderschönen Verlauf nahm und im Vereinslokal mit einigen schmackhaften Hektolitern seinen Abschluss fand. Durch diesen Ausmarsch fand das Fest seinen endgültigen Abschluss.

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Festfolge anlässlich des 1. Schützenfestes im Jahr 1955 nach der Wiederbegründung des Schützenvereins im Jahr 1953

Samstag, den 25. Juni 1955

15.30 Uhr Antreten des Schützenbataillons am Festzelt. Abholen der Fahne, des Obersten und des Königspaares.

18.00 Uhr Gedenkfeier für die gefallenen beider Weltkriege.

19.30 Uhr Kameradschaftsabend im Festzelt mit Empfang der Ehrengäste, Ehrung der Altersjubilare.

20.00 Uhr Großer Zapfenstreich.

20.30 Uhr Festball.

Sonntag, den 26. Juni 1955

06.00 Uhr Großes Wecken durch 2 Spielmannszüge.

07.00 Uhr Antreten des Schützenbataillons zum Kirchgang.

08.00 Uhr Festgottesdienst in der Marienkirche.

09.00 Uhr Rückmarsch zum Festzelt über die Erzberger Str./Cappenberger Str./Löwen-Köster-Str./Heidestr./Cappenberer Str. und Schulstraße.

10.15 Uhr Gemeinschaftliches Frühstück aller Schützen im Festzelt.

11-12 Uhr Gartenkonzert in den Anlagen des Festwirtes Osthues-Wieneke.

12.00 Uhr Wachtparade.

14.00 Uhr Empfang der auswärtigen Brudervereine.

15.00 Uhr Festzug.

16-19 Uhr Festkonzert.

19.00 Uhr Beginn des Festballes.

Montag, den 27. Juni 1955

06.00 Uhr Wecken.

08.15 Uhr Antreten des Schützenbataillon am Festzelt.

08.30 Uhr Abmarsch zur Vogelwiese, Aufsetzen des „Vogels“.

09.00 Uhr Beginn des Königsschießens.

15.00 Uhr Antreten des Bataillons, Abholen des neuen Königspaares.

16.00 Uhr Krönungsfeierlichkeiten an der evangelischen Volksschule Nordlünen.

17.00 Uhr Festkonzert.

19.00 Uhr Beginn des Festballes.

Die Musik an allen drei Festtagen von dem 35 Mann starken Musikkorps der Feuerwehr Münster ausgeführt. Leitung: Musikmeister Heinz Fischer

Spielmannszüge: Kolping – Altlünen und Knappenverein „Glück-Auf“

Festwirt: Karl Osthues Wieneke